Heimat- und Geschichtsverein Oberrotweil
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Zur Entstehung der Idee, einen Film zu machen

In Oberrotweil wurde eine Chronik geschrieben (im Jahr 2000 fertiggestellt), die auch in mir viele Fragen meiner Familiengeschichte aufwarf, zumal mein Großvater als Zentrumsbürgermeister 1933 von den Nazis abgesetzt wurde. In vielen intensiven Gesprächen mit der noch lebenden Cousine meines verstorbenen Vaters, Frau Mathilde Werner geb. Dienst, kamen Erinnerungen hoch, die ergänzende Aspekte zum Chronikartikel “1933-1945” von Katja Schwab (Geschichtsverein Oberrotweil) darstellen. Es berührte mich sehr, dass meine Tante nach über 60 Jahren zum ersten Mal von ihrer Fluchthilfe erzählte.
Gleichzeitig interessierten sich die SchülerInnen meiner Geschichtsklasse 7a der Lessing-Realschule in Freiburg dafür, wie ihre Großeltern und Urgroßeltern die Zeit des Dritten Reiches erlebt haben. Der besondere Wert von Erzählungen alter Leute wurde deutlich. Es geht doch viel wichtiges Wissen verloren, wenn diese Zeugen der Zeit des Dritten Reiches sterben. Im Dorf Oberrotweil z.B. war die Tatsache, dass Fluchthilfe geleistet wurde, bis heute nicht bekannt. Auch für die alten Zeitzeugen kann es ein besonderes Erlebnis sein, manchmal ein therapeutisches Erinnern, wenn sich junge Menschen für ihre früher erlebte Zeit interessieren.
Angesichts des grauenvollen Sterbens von Millionen Menschen in der Zeit des Nationalsozialismus erschien es von besonderer Bedeutung, dass es Menschen wie Tante Mathilde gab, die unter Gefahr des eigenen Lebens versuchten, das Leben anderer zu retten. In diesem Fall geschah dies, indem Flüchtlingen (auf der Flucht vor Verhaftung und Internierung in ein Konzentrationslager) Unterschlupf und Essen gewährt wurde.
Woher nahm sie den Mut und die Entschlossenheit, acht Menschen, die sie nicht kannte, in ihrem Haus für jeweils einen Tag zu verstecken?
Ich bot meiner Geschichtsklasse an, meine 80-jährige, kranke, aber geistig sehr rege Tante im Altersheim in Staufen zu interviewen. Zwei Schüler sollten mit der Videokamera dabei sein. Viele SchülerInnen waren von dem Vorschlag sofort begeistert: Weil Tante Mathilde sehr krank war, wurde das Interview in kleinem Rahmen durchgeführt. Ungefähr ein Jahr später, am 29. Oktober 2001, starb sie im Alter von 81 Jahren.
Als Zeugin dieser Zeit erzählte uns Tante Mathilde ihre Erinnerungen. Acht Schüler der Zeitzeugen-Film-AG beschäftigten sich intensiver mit den Interviewaufnahmen. Bald war klar, dass weitere Nachforschungen sinnvoll waren: Wir suchten u. a. im Fotoarchiv des Geschichtsvereins Oberrotweil geeignetes Bildmaterial und organisierten weitere Interviews mit drei alten Menschen. Sechs Jugendliche aus Oberrotweil halfen uns dabei. Die Schilderungen von Pia Sacherer (1920), ihrem Bruder Friedrich Wagner (1922) und seiner Frau Elisabeth Wagner (1926) lieferten wertvolle Zusatzinformationen zu dem, was Mathilde Werner (1920) zuvor berichtet hatte.

   
 
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